Archiv für den Monat: Juni 2008

„Herbert, du pfeifst“

Am Samstag, 7. Juni, geht es los: Dann kämpfen 16 Nationalmannschaften bei der EM in Österreich und der Schweiz wochenlang um den begehrten Titel. Was wenige wissen: Ein Schiedsrichter bei der Fußball-Europameisterschaft kommt aus der Eifel – Herbert Fandel erklärt euch, wie er es geschafft hat.

Bei der Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich sind nicht nur Nationalspieler aus Deutschland mit dabei. Einer der zwölf Schiedsrichter für das Turnier kommt auch aus Deutschland. Sein Name: Herbert Fandel. Der 44-Jährige lebt in Kyllburg in der Eifel. Der Pianist ist im normalen Berufsleben Leiter der Kreismusikschule Bitburg-Prüm. Im Interview mit TV-Reporter Mirko Blahak erklärt euch der „Schiedsrichter des Jahres 2008“, wie man Unparteiischer bei der Europameisterschaft wird, auf was er sich bei dem Turnier besonders freut und was er an den Tagen macht, an denen er kein Spiel pfeift.

Wie wird man Schiedsrichter bei der Europameisterschaft?
Fandel: Indem man lange als Schiedsrichter aktiv ist. Bei mir sind es 29 Jahre. Eine Schiedsrichterkommission hat nun vor der Europameisterschaft gesagt, wir hätten gerne den Fandel in der Schweiz und Österreich mit dabei. Das hat was mit Leistung und Persönlichkeit zu tun. Ein bisschen Glück gehört aber auch dazu.

Waren Sie als Fußballer zu schlecht und sind deswegen Schiedsrichter geworden?
Fandel: Als bei einem D-Jugend-Spiel der Schiedsrichter nicht kam, sagte mein Vater zu mir: ,Herbert, du pfeifst.‘ Da habe ich erstmals eine Partie geleitet. Ich war damals Jugend-Fußballer, habe später auch im Seniorenbereich Fußball gespielt. Nach der ersten Spielleitung habe ich gewusst: Du wirst Schiedsrichter. Das ist ein tolles Amt.

Ist es ein tolles Gefühl zu wissen, dass alle nach Ihrer Pfeife tanzen müssen?
Fandel: Nein. Das brauche ich nicht. Es ist ein schönes Gefühl, dass man ein ganz kleines Rädchen bei solch einem tollen Fußball-Fest wie der Europameisterschaft sein wird. Das ist eine große Ehre.

Häufig sind die Schiedsrichter auch die Buhmänner und werden ausgepfiffen. Tut das weh?
Fandel: Es gehört dazu, dass man als Schiedsrichter auch negative Entscheidungen treffen muss und dass es Spieler, Fans und Vereine gibt, die diese Entscheidungen nicht verstehen wollen. Aber ein Schiedsrichter muss dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden.

Warum braucht man denn beim Fußball eigentlich Schiedsrichter?
Fandel: Man braucht sie, genauso wie man im Straßenverkehr Schilder braucht. Man muss ein Fußball-Spiel ordnen. Sonst endet das im Chaos.

Auf was freuen Sie sich bei der Europameisterschaft am meisten?
Fandel: Auf tolle Spiele, auf eine tolle Stimmung. Die Spannung wird von Spiel zu Spiel steigen.

Wie viele Spiele dürfen Sie pfeifen?
Fandel: Jeder Schiedsrichter wird zunächst zwei Spiele erhalten. Dann muss man abwarten, wie unsere Nationalmannschaft abschneidet…

Das heißt: Wollen Sie das EM-Finale pfeifen, oder soll Deutschland Europameister werden?
Fandel: Das ist eine schwierige Frage. Ich bin Fußball-Fan. Wenn es die deutsche Mannschaft schafft, ins Finale einzuziehen, wäre ich der Erste, der sich darüber freut. Wenn sie es nicht schafft, wäre ich gerne bereit, zu pfeifen.

Was machen Sie an den Tagen, an denen Sie kein Spiel bei der Europameisterschaft pfeifen?
Fandel: Ich werde mich erholen und versuchen, möglichst viel Ruhe zu haben. Wenn das Wetter gut ist, könnten neben dem Training auch Ausflüge drin sein. Ich werde auch viel lesen und Musik hören.

Haben Sie eine Lieblings-Mannschaft und einen Lieblings-Spieler?
Fandel: Meine Lieblings-Mannschaften sind die DJK Utscheid und der SV Kyllburg. Im Profi-Fußball habe ich keine Lieblings-Mannschaft und keinen Lieblings-Spieler.
Interview: Mirko Blahak (Archiv: aus Luckys Kindermagazin vom 7. Juni 2008)