Archiv für den Monat: November 2016

Sankt Martin: Die Sache mit der Laterne

Wenn man versucht, zu verstehen, warum bestimmte Sachen so sind, wie sie sind, dann stößt man oft auf unterschiedliche Antworten. Wer kann schon mitSicherheit sagen, woher der Brauch mit dem Weihnachtsbaum kommt, was es mit dem Osterhasen und den bunten Ostereiern auf sich hat oder aber, wer auf die Idee gekommen ist, mit einem Hüttenfeuer den Winter zu vertreiben. Und ähnlich ist es auch mit den Laternenumzügen zu Sankt Martin.

Schon als kleine Kinder sind wir mit Laternen durch den Ort gezogen. Genau wie unsere Eltern und Großeltern. Doch warum eigentlich? Auch dazu gibt es unterschiedliche Erklärungen. Und wir beschränken uns mal auf eine dieser Versionen, die auch ganz vernünftig klingt. Die wiederum hat mit dem 11. November und damit dem Namenstag von St. Martin zu tun.

Schon im frühen Mittelalter wurde an diesem Tag das Ende des bäuerlichen Jahres gefeiert. Die Arbeit auf dem Feld war so weit erledigt, sodass die Bauern den Martinstag zum Anlass nahmen, ein wenig zu feiern.

Wahrscheinlich haben die meisten sogar recht ordentlich gefeiert, denn der 11. November war gleichzeitig auch der letzte Tag vor der 40-tägigen Fastenzeit. Anders als heute war früher die Zeit um Advent und Weihnachten nämlich keine Zeit, in der die Leute genüsslich Lebkuchen und Plätzchen gefuttert haben, sondern genau das Gegenteil.

In der Fastenzeit durften weder Eier, Butter, Milch noch Fett verspeist werden. Und nun versucht mal, ohne diese Zutaten etwas Leckeres zu backen.

Aus diesem Grund also haben die Menschen am letzten Abend vor der Fastenzeit noch einmal so richtig gefeiert. Und von Überlieferungen aus dem Mittelalter wissen wir, dass es an diesem Tag auch Fackelzüge mit anschließendem Martinsfeuer gegeben hat.

Irgendwann wurde damit begonnen. Und bei diesem Brauch ist es im Grunde bis heute geblieben. Nur dass statt Fackeln heute überwiegend Laternen zum Einsatz kommen.

Das wiederum könnte mit den „Trouliechtern“ zusammenhängen. Trouliechter sind ausgehöhlte Futterrüben, die als Laterne dienen – genau wie die Halloween-Kürbisse.

Früher wurden diese Rüben ganz viel angebaut. Und die Kinder haben sich daraus dann Laternen gebastelt und Kerzen reingesteckt. Und mit diesen Lampen sind sie dann durch den Ort gezogen, um am letzten Tag vor der Fastenzeit Gebäck zu erbetteln. Möglicherweise ist daraus dann der Brauch mit den Laternen entstanden. Uwe Hentschel

Der Mann mit dem halben Mantel: Die Geschichte von St. Martin

Was hat es eigentlich mit St. Martin auf sich? Und was hat er Besonderes getan, dass wir ihn jedes Jahr mit Musik, Laternen und Brezeln feiern?

Stellt euch mal vor, ihr wärt auf dem Weg zur Schule, zum Fußballtraining oder aber zum Klavierunterricht. Und auf einmal kämt ihr an einem Obdachlosen vorbei, der an diesem kalten Novembertag frierend auf dem Bürgersteig säße. Natürlich hättet ihr Mitleid mit ihm.

Und wahrscheinlich würdet ihr euch auch darüber Gedanken machen, wie man diesem armen Menschen helfen könnte. Aber es käme wohl kaum einer auf die Idee, ihm einfach die eigene Jacke zu geben, oder? Und selbst wenn: Wahrscheinlich gäbe es dann zu Hause auch noch dicken Ärger, weil ihr eure neue Jacke einfach so einem wildfremden Menschen geschenkt hättet.

Mit 15 Jahren zum Militär

Nach altem Brauch ziehen rund um den Martinstag Kinder und Erwachsene mit Laternen durch die Straßen, sie erinnern damit an den heiligen Martin. Foto: Jan Woitas/dpa
Nach altem Brauch ziehen rund um den Martinstag Kinder und Erwachsene mit Laternen durch die Straßen, sie erinnern damit an den heiligen Martin. Foto: Jan Woitas/dpa

Nun, der heilige Martin war einmal in einer ähnlichen Situation. Wobei er damals noch kein Heiliger war. Martin war zunächst Soldat. Und das auch nur, weil sein Vater es so wollte. Martin wurde nämlich im Jahr 316 als Sohn eines römischen Offiziers geboren. Es kann auch im Jahr 317 gewesen sein.

So ganz genau weiß man das heute nicht mehr. Wobei das auch keine Rolle spielt. Entscheidend ist, dass sein Vater Offizier war. Und wenn man damals einen römischen Offizier als Vater hatte, dann blieb einem im Grunde nicht viel anderes übrig, als selbst Soldat zu werden. Bei Martin war es jedenfalls so. Der Vater bestand darauf. Und so musste Martin bereits im Alter von 15 Jahren zum Militär.

Für Martin war das nichts. Er hatte keine Lust darauf, Soldat zu sein, um gegen andere Menschen zu kämpfen. Er hätte den Militärdienst gerne beendet, um anderen Menschen zu helfen. Denn Martin war sehr hilfsbereit und auch gläubig. Er wäre lieber Mönch geworden. Doch das hat beim Militär keinen interessiert. Und so musste Martin warten, bis er die vorgeschriebene Dienstzeit von 25 Jahren hinter sich hatte. Martin durfte die Armee also erst mit 40 Jahren verlassen – was ihn aber nicht daran hinderte, auch als Soldat anderen Menschen zu helfen. Und so kam es schließlich eines Tages zu dieser Situation, die wir aus Erzählungen kennen.

Martin war damals in Amiens, einer Stadt im nördlichen Frankreich, stationiert. Als er an einem bitterkalten Wintertag mit seinem Pferd durch das Stadttor reiten wollte, kam ihm ein Bettler entgegen, der nur mit Lumpen bekleidet war und vor Kälte kaum noch stehen konnte.

Martin war nicht der Einzige, dem der arme Mann Hilfe suchend entgegenlief. Doch die anderen taten so, als würden sie ihn nicht sehen. Und vielen, die vorbeikamen, war der Bettler sogar vollkommen egal. Nur Martin nicht.

Ein Traum mit Folgen

Der junge Soldat hatte Mitleid. Er nahm sein Schwert, teilte seinen Umhang, der ihn selbst vor der Kälte schützte, in zwei Teile und gab die eine Hälfte dem Bettler. Martin war es egal, dass der Umhang eigentlich Eigentum des Kaisers war und der Kaiser für diese Tat sicher wenig Verständnis hatte.

Und ihm war es auch egal, was die anderen Leute dachten. Und dass sie lachten, weil Martin nun mit einem zerschnittenen Gewand durch die Gegend ritt. Martin hatte in diesem Moment das Bedürfnis, dem armen Menschen zu helfen. Und das hat er dann auch getan.

Doch das ist nicht die ganze Geschichte. Es heißt nämlich, dass Martin in der darauf folgenden Nacht einen Traum hatte, in dem ihm Jesus Christus begegnete. Und zwar mit dem Stück des Umhangs, das Martin dem Bettler geschenkt hatte. „Martin, ich war der Bettler, mit dem du deinen Umhang geteilt hast“, sagte Jesus.

Und als Martin wieder aufwachte, wusste er, dass er sein Leben ändern und zukünftig nicht mehr im Dienst der Armee, sondern im Dienst Gottes leben wollte.

Noch während seiner Zeit als Soldat ließ er sich taufen. Und nachdem er den Militärdienst beendet hatte, wurde er Mönch – und später sogar Bischof. Doch das ist eine andere Geschichte. Uwe Hentschel

In 80 Tagen um die Welt: Eine Geschichte am Theater in Trier

Wie lange dauert es wohl, die Welt einmal zu umrunden? Eine Stunde, ein Tag, eine Woche? Mit dem Flugzeug schafft man es in etwa zwei vollen Tagen – wobei euer Jet ab und zu landen müsste, um Treibstoff zu tanken. Aber als es noch keine Flugzeuge gab, Autos oder schnelle Schiffe und Eisenbahnen, dauerte eine Weltumfahrung viel, viel länger – Wochen, Monate, Jahre.

In „80 Tagen um die Welt“: Das glaubt jedenfalls ein Mann aus Großbritannien zu schaffen. Sein Name: Phileas Fogg. Vor mehr als 140 Jahren geht er in der Stadt London eine Wette ein und zieht los  – begleitet von seinem treuen Diener Passepartout. Auf seiner Reise erleben die beiden jede Menge Abenteuer, retten eine indische Prinzessin und werden auch noch verfolgt – denn ein Polizist glaubt, dass Fogg kurz vor seiner Abreise die Bank von England überfallen hat. Ob die Weltreisenden aus diesem Schlamassel wieder herauskommen – und rechtzeitig wieder in London sind?

In Wirklichkeit ist die Geschichte ein Roman – von Jules Verne. Der Schriftsteller schrieb die gleichnamige Abenteuerreise im Jahre 1873 in einer Zeit, als eine solche Reise dank neuer Erfindungen  und Bauten (Dampfmaschine, Schiffskanal, Eisenbahnlinien) kürzer wurde. Es war eine Zeit, in der die Länder Europas – vor allem Großbritannien – mehr und mehr die Welt beherrschten. So reist Phileas Fogg durch Gebiete, die damals britische „Kolonien“ waren, heute aber frei und selbstständig sind: Indien zum Beispiel.

Klingt spannend? Ist es auch. Und deswegen ist Jules Vernes Geschichte seit seinem Erscheinen mehrmals verfilmt worden, wobei die Filmemacher die Originalgeschichte teils abänderten oder ergänzten. Einen Trailer zu einer dieser Verfilmungen könnt ihr euch auf Youtube anschauen.

Ihr selbst könnt die Reise im Theater Trier antreten: Dort wird die Weltreise ab dem Sonntag, 13. November, als Familienstück für euch und eure Eltern aufgeführt. Vielleicht geht ihr ja auch mit eurer Schulklasse dahin. Und dann erfahrt ihr sicherlich auch, wie die Wette ausging – und Phileas Fogg und Passepartourt pünktlich zurück in London sind.

Übrigens: Den Originalroman von Jules Verne gibt es im Buchhandel und hier im Internet zum Lesen.