Kinder-Uni Trier startet: Interview mit Wissenschaftler Stephan Brakensiek

Dr. Stephan Brakensiek stellt sich den Fragen der Kinder-Uni-Reporter. Foto: Uni Trier

Zum Start der Kinder-Uni 2017: Junge Reporter löchern Dr. Stephan Brakensiek, Kunsthistoriker an der Universität Trier, mit ihren Fragen – und erfahren auch, was Kunst mit Eis zu tun hat. Ab heute könnt ihr euch übrigens für die Kinder-Uni registrieren (Infos im Text).

Trier Die Kinder-Uni-Reporter der Universität Trier hatten die Gelegenheit, Dr. Stephan Brakensiek zu interviewen. Der Kunsthistoriker stammt aus Dortmund und studierte in Bochum zunächst Geschichte, Politikwissenschaft und Publizistik.

Kunst ist nix für die Schublade 

Für sein viertes Fach, Kunstgeschichte, entwickelte er sehr schnell eine solche Leidenschaft, dass er schließlich sein Studium als Doktor der Kunstgeschichte abschloss. Heute ist er spezialisiert auf den Bereich graphische Künste sowie die Kunst der Frühen Neuzeit und die deutsche Kunst um 1900. Dabei ist er nicht selbst als Künstler tätig, seine Aufgabe sieht er darin, Kunstgegenstände anderen Menschen zugänglich zu machen. Dabei interessiert er sich auch sehr für neuere Kunstformen: Seit etwa drei Jahren beschäftigt er sich mit Lichtkunst, also mit Kunst, die mit Hilfe von elektrischem Licht erzeugt wird.

Als Leiter der graphischen Sammlung beteiligt sich Brakensiek an vielen Forschungsprojekten. Außerdem lehrt er seit 2004 als Dozent und organisiert mit seinen Studierenden Ausstellungen, um die Kunst zu den Menschen zu bringen. „Es bringt gar nichts, wenn ihr zu Hause Kunst in der Schublade liegen habt, dann ist die Kunst tot!“, erklärt er dem Kinder-Uni-Reporter-Team.

Das sind die Kinder-Uni-Reporter. Foto: Uni Trier

Tomasz: „Was erwartet die Kinder bei Ihrem Kinder-Uni-Workshop „Zeichnen mit Licht“
Brakensiek „Ich biete das zusammen mit dem Licht-Künstler Klaus Maßem an. Das ist eine ganz spannende Sache. Ich versuche zu erklären, seit wann es Lichtkunst gibt und welche unterschiedlichen Möglichkeiten man hat, mit Licht zu malen. Und dann probieren wir das gemeinsam aus.

Leo: Haben Sie ein Lieblingswerk?
Brakensiek … kann ich gar nicht sagen. Ich habe mittlerweile bei mir zu Hause eine kleine Staffelei stehen, auf der ich alle drei Wochen das Bild auswechsle. Ich finde, der Wechsel ist spannender, als immer das Gleiche gut zu finden. Geht euch vielleicht genauso. Im einen Jahr ist Erdbeereis leckerer, im anderen das Zitroneneis, und so geht es mir mit Kunst.

Lorenzo: Warum ist Kunst entstanden?
Brakensiek Der Mensch hat immer schon das Bedürfnis gehabt, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die er nicht begreifen kann. Kunst gehört eigentlich zum Menschsein dazu. Kunst ist eine gute Möglichkeit, Dinge auszudrücken, die man vielleicht im normalen Leben so gar nicht ausdrücken kann, und sie regt immer zum Denken an.

Michael: Ist die Höhlenmalerei tatsächlich das Erste, was die Menschen gemalt haben?
Brakensiek Möglicherweise gibt es auch ältere Sachen, die von Menschen gemacht wurden. Aber Kunst wird aus Materialien gemacht, die der Vergänglichkeit unterliegen. Stellt euch vor, ihr habt eine 200 000 Jahre alte Malerei, die 200 000 Jahre lang Tag ein Tag aus dem Licht ausgesetzt ist. Da ist nichts mehr da. Der größte Feind von Farben ist das Licht.

Tomasz: Sind Schwarz und Weiß Farben? Meine Freunde sagen Ja, mein Vater sagt Nein.
Brakensiek „Eine definitive Antwort kann ich dir auch nicht geben. Bei modernen Farbkreisen geht man davon aus, dass wir nur drei Primärfarben haben: Blau, Rot und Gelb. Aber wenn man in den Bereich geht, in dem ich arbeite, in die Frühe Neuzeit, dann findet man um 1600 Farbkreise, bei denen Schwarz und Weiß an den äußeren Kanten sitzen. Heute würde man sie aus farbwissenschaftlichen Gesichtspunkten als nicht dazugehörig bezeichnen.

Michael: Warum sind Gemälde und Kunstwerke oft so teuer?
Brakensiek Das hat mit der großen Nachfrage nach einzelnen Werken zu tun. In der Regel gibt es ja ein Kunstwerk nur einmal. Aber es gab auch Zeiten, in denen Kunst tatsächlich aufgrund ihres Materialwertes teuer war. Im Mittelalter bezahlte man wirklich die Materialien, die ein Künstler verarbeitete, zum Beispiel, wenn er teure Farbpigmente benutzte wie das Farbsubstrat von Purpur-Schnecken.

Das bietet die Kinder-Uni, und so meldet ihr euch an

(BP) Zu den über 30 Veranstaltungen gehören viele Kinder-Uni-Klassiker sowie einige neue Vorlesungen und Seminare. Unter anderem werden angeboten: Richtig googeln (1. April), ROBERTA – Lernen mit Robotern (29. April), Der Uni-Präsident führt über den Uni-Campus (3. Mai), Wie leben Kinder in der Dominikanischen Republik? (6. Mai), Quadrocopter-Experimente (6. Mai), Götter und Pharaonen (12. Mai), Spielend leichtes Chinesisch (19. Mai), Wo ist die Maus im Trierer Dom? (2. Juni), Wie werde ich erfolgreicher Unternehmer? (9. Juni), Wir lassen es regnen (21. Juni), Forschen mit Bienen (24. Juni), Wie entsteht ein Gewitter? (14. Juli)

Wie schon in den vergangenen Jahren gibt es auch 2017 wieder Veranstaltungen in der Stadtbücherei Wittlich: Den Computer spielerisch begreifen (28. April), Wirtschaft – ein Kinderspiel? (18. Mai), Spielend leichtes Chinesisch (2. Juni).

Die Anmeldung zur Kinder-Uni an der Universität Trier erfolgt online. Dafür müsst ihr euren Eltern auf www.kinderuni.uni-trier.de registriert werden. Sie oder andere Erziehungsberechtigte können bei der Registrierung mehrere Kinder auf einmal registrieren und später über einen Account verwalten. Hat ein Kind die Zugangsdaten für den Account, kann es sich aber auch selbst an- und abmelden. Bei der Registrierung können zwei Mail-Adressen angegeben werden, die des Erziehungsberechtigten (verpflichtend) und die des Kindes.

Ab heute kann man sich registrieren, die Anmeldephase für die ersten Veranstaltungen beginnt am Montag, 13. März. Von wann bis wann man sich für eine Veranstaltung anmelden kann, findet man in der Detailansicht jeder Veranstaltung auf dieser Seite von kinderuni.uni-trier.de .