Archiv für den Monat: April 2017

Bergbautechnologen, Maschinen und Messgeräte

Auch heute werden in Bergwerken Bodenschätze gefördert – bei uns in der Region in den Orten Wellen und Mayen. Allerdings kommen Maschinen statt Hacken zum Einsatz, es gibt viel mehr Sicherheit. Und der Name des Berufs hat sich geändert: Bergbautechnologen „fahren“ in den Untergrund. Ein Experte weiß, warum.

Herr Mersch, was macht ein Bergbautechnologe?
Thomas Mersch Die Arbeit hat sich zu früher verändert. Heute ist es wichtig, Geräte und Computer zu bedienen: In der Ausbildung lernt ein zukünftiger Bergbautechnologe zum Beispiel am Simulator, wie er eine Bohrung vorbereitet – später im Bergwerk kann das nicht geübt werden, das ist dann eine einmalige Sache. Ein Bergbautechnologe benutzt Messapparate, um Gestein zu entdecken, das abgebaut werden kann. Er pflegt die benutzten Maschinen, zum Beispiel ein Mahlwerk, um die gesprengten Steine zu zerkleinern. Und er lernt in der Ausbildung auch sprengen. Das ist ein explosiver Beruf.

Ist es nicht ein gefährlicher Job?
Thomas Mersch Die körperliche Anstrengung ist nicht mehr so stark wie früher. Und Sicherheit ist wichtig. Die Bergleute [„Kumpel“, wie sie sich nennen] haben zum Beispiel immer eine eigene Sauerstoff-Maske für den Notfall dabei.

Früher durften nur Männer in einem Bergwerk arbeiten. Wie ist das heute?
Thomas Mersch Das gilt nicht mehr. Auch Frauen können diesen Beruf erlernen. Aber die meisten sind immer noch Männer. Es muss ja ein Interesse für diese Arbeit geben.

Was ist für Sie das Besondere am Beruf?
Thomas Mersch Es ist eine andere Welt unter Tage. Da gibt es in Bergwerken Verkehrsschilder und Kreuzungen. Und das ganze Jahr hindurch ist dort die gleiche Temperatur: 12 Grad.

Wenn ich nun unter Tage arbeite, was sollte ich dann haben?
Thomas Mersch Keine Furcht vor engen Räumen oder Dunkelheit und vor allem keine Angst vor der Tiefe: Die Arbeit ist schließlich viele Meter unter der Erdoberfläche.

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Zur Person: Thomas Mersch ist Ausbildungsberater. Er arbeitet für die Industrie- und Handelskammer Trier (IHK). Das ist ein Verband, der die Interessen von Firmen in der Region vertritt. (mc)

Ein Continuous Miner bricht im Salzbergwerk der Südwestdeutschen Salzwerke AG in Heilbronn (Baden-Württemberg) Salzgestein aus dem Berg. In den Stollen der Südwestdeutschen Salzwerke werden pro Jahr rund 5 Millionen Tonnen Salz abgebaut. Foto: Franziska Kraufmann dpa. Archivfoto von 2012.

Unter Tage: Als in Fell im Bergwerk Schiefer abgebaut wurde

Schutzhelm auf, Jacke zugeknöpft, und die Kamera griffbereit: Wir begeben uns unter die Erde. In Fell, einem Ort in der Nähe der Stadt Trier, haben nämlich vor vielen Jahren Bergleute hart geschuftet, um Dachschiefer zu fördern. Warum sie das machen mussten, und wie anstrengend das war? Im Besucherbergwerk Fell gibt es die Antworten – wenn man „einfährt“, wie die Bergleute sagen …

… und zuvor den Gruß von Franz-Josef Grünen erwidert: „Glück auf!“, ruft der 83-Jährige beim Gang durch das „Mundloch“, dem dunklen Zugang der Grube „Hoffnung“. Damit wünschten sich die Bergleute Gesundheit und Glück, etwas zu finden: Denn es kam vor, erzählt Franz-Josef Grünen, dass Bergleute zwei Jahre lang im Berg gruben – und doch kein Dachschiefer fanden.

Franz-Josef Grünen führt seit 20 Jahren Besucher durch das Feller Bergwerk.  Zunächst geht es schnurgerade entlang von Gleisen. „Der lange Weg ist ein Suchstollen“, erklärt der Experte. Denn zwar sei der Berg voll mit Schiefer. Das Gestein wird für den Häuserbau verwendet. Doch nur hochwertiger Dachschiefer könne benutzt werden, um Dächer einzudecken oder Fassaden zu bedecken. Und genau den suchten früher die Bergleute.

Extra Das Besucherbergwerk feiert übrigens an diesem Wochenende ein Jubiläum: Es wurde vor 20 Jahren eröffnet. Mehr Informationen zum Programm findet ihr hier.

Arme Leute aus Fell und dem benachbarten Ort Thomm seien das gewesen, erzählt Franz-Josef Grünen während der Besichtigung. Die Bauern und Winzer arbeiteten im Sommer draußen. Im Winter fuhren sie in den Berg, von morgens bis abends, um mit dem Verkauf der Steine Geld zu verdienen. Ein hartes und gefährliches Geschäft: Monatelang sahen die Bergleute nicht das Sonnenlicht, im Berg ist es nass und kalt. „Das Durchschnittsalter der Männer betrug früher 45 Jahre“, erzählt Franz-Josef Grünen , sie litten an Lungenentzündungen oder Gelenkschmerzen und gingen krumm. Auch bei der Führung tropft es immer wieder von den Decken herunter, die Wände sind feucht. 

70 Meter unter der Erde stehen wir in einem größeren Raum. Vor uns liegt ein Haufen Steine. „Das ist Abraum“, erklärt Franz-Josef Grünen. Die alten Bergleute hatten keine Maschinen, mit der Hacke klopften sie Steine von der Felswand ab, um an die Dachschiefer-Lagen zu kommen. Die losgelösten Dachschieferplatten wurden in Körben oder mit kleinen Waggons nach draußen gebracht. Den Rest ließ man liegen und kletterte auf dem Haufen immer weiter nach oben. Die Bergmänner fraßen sich also sozusagen den Berg hoch. Später nutzten die Bergarbeiter Schwarzpulver, um die Schieferplatten vom Fels zu sprengen. Und in einer benachbarten Grube wurden statt Hacken später auch Presslufthämmer benutzt.

Es geht weiter, diesmal über viele Stufen herunter zu einem anderen Stollen namens „Barbara“. Für das Besucherbergwerk sind nämlich zwei der über 100 alten Bergwerke, die es rund um Fell gibt, verbunden worden.

Barbara ist übrigens der Name der Schutzpatronin der Bergleute, eine Statue von ihr steht im Stollen. Offenbar brachte sie den Arbeitern an dieser Stelle Glück: Wir starren in eine große Höhle, gegenüber stehen Bergmannspuppen auf einer Halde. Der „Dom“, so nennen es die Bergleute. Denn bis vor rund 70 Jahren wurde hier noch Dachschiefer abgebaut. „Damals stand der Bergmann unter der Decke“, erklärt Franz-Josef Grünen, „der Raum war komplett mit Abraum gefüllt.“ Heute ist der riesige Dom leer, die von Menschenhand geformte Höhle wurde bei der Errichtung des Museums vom Schutt geräumt. Plötzlich wird es dunkel, unser Führer hat das Licht ausgeschaltet. Eine rote Lampe leuchtet, aus den Lautsprechern hört man ein Lied, gesungen von einer Bergmannskapelle. Solche Gruppen tragen am Barbaratag, dem 4. Dezember, in festlicher Kleidung die Statue der Schutzpatronin durch die Bergwerksdörfer. 

Linker Hand erkennt man an der Wand die glatten, senkrechten Schieferplatten, den Schatz der Bergleute. „Eine ergiebige Ader“, sagt einer der Besucher. Der Schiefer musste gespalten – oder „geköpft“ – werden, solange er noch bergfeucht war. Denn war er erst trocken, konnte der Stein nicht mehr zerkleinert werden, um ihn später zum Beispiel zu feinen Dachplatten zu verarbeiten.

Es geht zurück. Nach dem Dom zweigt ein anderer Stollen nach rechts ab, doch schon nach wenigen Metern ist er zu Ende. Dann sind wir wieder im Tageslicht, mitten im Wald unter dem grünen Dach der Bäume. Die „Leyenbrecher“, wie die Schieferarbeiter genannt wurden, gibt es heute nicht mehr in Fell und Thomm. Aber wer vom Bergwerk aus noch durch den Wald streift, auf dem Grubenwanderweg, entdeckt weitere Mundlöcher und Halden – aus einer Zeit, als die Männer im Winter in den Berg „fuhren“ … Miguel Castro

Suppenkinder unterwegs

Kinder haben nicht im Bergwerk gearbeitet – aber sie brachten ihren Vätern das Mittagessen. Das ist lange her. Einer dieser Jungs war damals Hans-Werner Gorges aus Fell. Er ist heute 73 Jahre alt und führt Besucher durch das Museumsbergwerk. „Mit elfeinhalb Jahren habe ich Suppe und Getränke zu einem der Stollen geschleppt.“ Er durfte dafür eine halbe Stunde früher aus der Schule gehen. Am Dorfrand traf er sich mit anderen Kindern, gemeinsam zogen sie los. „Vor der Spalthütte haben dann mein Vater und die anderen Männer schon auf uns gewartet.“ Vier Kilometer sei der Weg lang gewesen, hin und zurück, zu Fuß. Jeden Tag ging Hans-Werner zum Bergwerk, auch samstags und im Winter – „dann in Gummistiefeln“. Als kleines Kind war er übrigens auch im Stollen, zusammen mit seiner Mutter: Das war am Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Menschen suchten sich  in den Bergwerken Schutz vor den Kämpfen zwischen Soldaten.

Fledermäuse im Berg

Im Winter bleiben die eisernen Gittertore des Bergwerks verschlossen. Drinnen schlafen nämlich dann Fledermäuse. Und weil sie in ihrem Winterschlaf nicht geweckt werden dürfen – sie würden sonst keine Nahrung finden – müssen sie in Ruhe gelassen werden. Im Frühling schwärmen sie dann aus. 

Museum: Was Wein mit Schiefer zu tun hat

Im überaus spannenden Museum, das direkt am Eingang des Besucherbergwerks liegt, könnt ihr auch eine Rampe hochklettern – und zwar mit einem Zuber auf dem Rücken. In einem solchen Behälter sammeln Winzer an steilen Weinbergen die Trauben, die sie ernten. Der Wein, der aus der Frucht gewonnen wird, wächst hier bei uns auf – Schieferboden. Und der ist dafür besonders gut geeignet, sagt Robert Hoffmann. Er ist der Betriebsleiter des Museumsbergwerks. Schiefer speichert die Sonnenwärme und gibt sie in der Nacht an die Rebstöcke weiter. Übrigens: War der Zuber voll, dann wog er zwischen 50 und 60 Kilo, sagt Robert Hoffmann. Würdet ihr eine solche Menge Trauben schleppen können?

Info: Wie entstand Schiefer?

Vor Millionen von Jahren lag im Bereich des heutigen Bergwerks ein Meer. Schlamm und Sand von Flüssen lagerte sich am Boden des Meeres ab und wurde im Laufe der Zeit zu Tonstein. Als die Gebirge entstanden, der Boden also zusammengedrückt wurde, wurde der Stein nach oben geschoben, dabei entstand der Schiefer.

Informationen: Besucherbergwerk Fell

Das Museumsbergwerk liegt drei Kilometer von Fell entfernt mitten im Wald, es ist von dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Führung dauert etwa eine Stunde. Neben Einzelpersonen können auch Gruppen und Schulklassen das Bergwerk besuchen. Am Eingang gibt es zudem ein Kiosk und ein Bistro.

Mehr spannende Informationen und Bilder für euch und eure Lehrer, auch zur Geschichte eines Bergmanns vor 500 und 100 Jahren, findet ihr auf der Internetseite des Besucherbergwerks: http://www.bergwerk-fell.de

Eine Echse, keine Schlange

Das Tier auf dem Foto sieht aus wie eine Schlange – aber es ist keine: Die „Blindschleiche“, so der Name, ist nämlich eine Echse.

Fotografiert hat sie ein Redakteur des Trierischen Volksfreunds bei einem Spaziergang. Er schreibt: Wie jedes Eifeler Kind weiß, hat das Tier weder etwas mit den Augen noch ist es eine Schlange. Sondern eine Echse – auch wenn der wissenschaftliche Name, Anguis fragilis, übersetzt heißt: „zerbrechliche Schlange“, wie der Naturschutzbund Nabu auf seiner Internetseite erklärt. Zerbrechlich ist das Tier allerdings wirklich: Packt ein Angreifer die Blindschleiche zu fest, kann sie entzwei gehen und ihren Schwanz abwerfen.

Blindschleiche. Foto: Fritz-Peter Linden, Trierischer Volksfreund