Poetry-Slam: „Ganz still und leise“

Gedichte auf der Bühne vortragen: Das hat sich eine 15-jährige Schülerin getraut. Sie nimmt an Poetry-Slams teil.

TRIER. „Ganz still und leise dreh ich meine Gedankenkreise, auf eine komische Art und Weise“, lautet der immer wiederkehrende Refrain von Le Bao Tran Vu aus Bernkastel-Kues. Die Schülerin ist Poetry-Slammerin (gesprochen: poetri slämmerin). Sie trägt ein Gedicht vor. Ihr Text schallt wie ein Gesang auf der Bühne im Mergener Hof, einem Veranstaltungsort in Trier. Und das Publikum hört aufmerksam, still und leise zu.

Aber was verbirgt sich eigentlich hinter dem Ausdruck Poetry-Slam? Der englische Ausdruck bedeutet das so viel wie Dichterwettstreit. Die Teilnehmer eines Poetry Slams tragen nacheinander selbstgeschriebene Texte vor. Dafür haben sie sechs bis sieben Minuten Zeit. Am Ende entscheidet das Publikum meist durch Applaus, wer gewinnt. Le Bao Tran Vu erzählt uns mehr davon.

Lucky: Was hat dich dazu motiviert, an einem Poetry-Slam teilzunehmen?
Le Bao Tran Vu Vor einigen Jahren gab es einen  Workshop in meiner Heimatstadt Bernkastel-Kues. Es hat mir gut gefallen, ich bin drangeblieben und im Februar 2014 folgte mein erster Auftritt als „Opener“ in Bernkastel-Kues und direkt danach in Trier. Ein Opener ist der erste der vorträgt, nimmt aber selbst nicht am Wettbewerb teil.

Was macht eine gute Poetry-Slammerin aus?                                                                                                     Le Bao Tran Vu Es gibt eigentlich kein Erfolgsrezept. Man muss nicht unbedingt belesen sein oder Bestnoten im Deutschunterricht haben. Es kommt auf den Mut an, der dazugehört, wenn man vor Publikum auftritt. Aber das Wichtigste beim Poetry-Slam ist, einfach Spaß zu haben.

Was inspiriert dich zu deinen Texten?                                                                                                                   Le Bao Tran Vu Die Ideen zu meinen Texten sind aus dem Leben gegriffen. Zuletzt habe ich mir Gedanken zum Thema Liebe gemacht. Man sollte sich beim Schreiben der Texte Zeit lassen und nichts erzwingen. Manchmal vollende ich einen Text und ändere kurz vor meinem Auftritt spontan noch etwas ab. Das ist aber gar nicht schlimm.

Welche Absicht steckt hinter der Betonung?                                                                                                       Le Bao Tran Vu Anfangs ist es etwas schwierig, die passende Betonung zu finden. Doch auch hier gilt wieder, sich nicht zu verkrampfen. Mit der Zeit kommt alles intuitiv und der Rhythmus fließt automatisch.

Welche Gedanken hast du vor deinem Auftritt? Bist du nervös?                                                                 Le Bao Tran Vu Bei meinem allerersten Auftritt in Bernkastel-Kues war ich unheimlich aufgeregt. Doch mit der Nervosität verhält es sich wie auf einem Fünf-Meter-Brett im Schwimmbad. Zuerst hat man Angst und traut sich nicht und würde sich am liebsten drücken. Aber dann fasst man Mut und springt ins kalte Wasser und möchte am liebsten gleich noch mal springen.

Welche Erfahrungen nimmst du aus deinen Auftritten beim Poetry Slam mit?                                   Le Bao Tran Vu Durch die Teilnahme an den Poetry-Slams bin ich selbstbewusster geworden und kann viel besser freisprechen und Vorträge halten. Es ist mir nicht wichtig, weiterzukommen und zu gewinnen. Das Schönste ist der Applaus, den man bekommt.

Das Interview führte Lucky-Reporterin Sinja Michels

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Du willst auch an einem Poetry-Slam teilnehmen? Bao Tran gibt Tipps:

„Ich empfehle allen, die am Poetry-Slam teilnehmen möchte, sich zu trauen und es einfach mal auszuprobieren. Slam-Workshops sind eine gute Gelegenheit dazu. Es hilft außerdem, sich im Internet mit anderen Slammern vertraut zu machen oder sich diese sogar zum Vorbild zu nehmen. Dennoch sollte man immer versuchen, selbst zu bleiben. Schließlich legt jeder eine ganz eigene Ausdrucksweise und Betonung an den Tag.“

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Zur Person: Le Bao Tran Vu ist Schülerin an der Freiherr-vom-Stein Realschule in Bernkastel-Kues.

Le Bao Tran Vu
Foto: Sinja Michels