Tufa-topolis – Wo Mädchen und Jungen gemeinsam eine Stadt bauen

Marie und Laura tragen Baumaterial zu ihrer kleinen Hausbaustelle, Frederick, Malik und Johannes werkeln an der ersten Etage und unter einem kleinen Unterstand bauen Shadee und Samuel einen Tisch und einen Stuhl. Willkommen in Tufa-topolis, der Kunstbaustelle der Tuchfabrik Trier (Tufa), die auch in diesen Sommerferien gut besucht war.

Von Melanie Schneider

TRIER Betritt man das Gelände von Tufa-topolis nimmt man aus allen Ecken des Geländes Gehämmer, Geklopfe und Sägegeräusche wahr. Überall wird emsig gebaut. Auf der einen Seite entsteht ein neuer Turm mit Aussicht, in der anderen entsteht ein neues Haus und wieder in einer anderen Ecke wird fleißig an Möbelstücken gebaut.

Tufa-topolis ist eine Kunstbaustelle, die 2010 von Christina Biundo ins Leben gerufen wurde. Seit Mai dieses Jahres hat Laas Koehler, ein bildender Künstler, die Projektleitung übernommen. Mitmachen können alle interessierten Mädchen und Jungen von 9 bis 14 Jahren. In Ausnahmefällen dürfen aber auch jüngere oder ältere Kinder mitmachen. In den Ferien können die Kinder an Projektwochen teilnehmen und so aktiv Tufa-topolis mitgestalten.

Aber auch außerhalb der Ferien haben alle Interessierten jeweils freitagsnachmittag die Möglichkeit mitzubauen. Ziel ist es, eine Stadt in der Stadt aus Holz zu bauen. Die erwachsenen Betreuer geben keine Regeln vor und beraten die Kinder nur, wo es nötig ist. So entstehen auf dem Gelände komplette Häuser, Türme, Treppen, Brücken, Kammern, Sackgassen und auch ein Kino. Zum Teil sehr verwinkelt bauen die kleinen Architekten ihre Stadt und fertigen auch mal Skizzen von ihren Vorhaben an.

In Tufa-topolis sind alle Kinder willkommen. Egal, ob Jungen oder Mädchen, alle Kinder, die sich für das gemeinsame Bauen und Planen interessieren sind herzlich eingeladen bei der Kunstbaustelle aktiv mitzugestalten. Sollten beim bauen Probleme entstehen, sei das nicht weiter schlimm. „Wir sind lösungsorientiert“, wie Koehler berichtet, dabei steht der Prozessgedanke im Fokus. Das heißt, dass die Stadt nie fertig sein wird. Immer wieder werden Häuser verändert, renoviert oder abgerissen.

Das Bruchholz wird dabei, wenn die Qualität gut genug ist, wieder verwendet. Denn Materialknappheit herrsche in Tufa-topolis immer, wie Laas Koehler erzählt. (Foto von Bruchholz oder Holzstapel)

Die meisten Häuser haben zusätzlich zum Erdgeschoss eine obere Etage und ein Dach. Kinder mit Höhenangst müssen aber keine Angst haben. Diese lege sich sehr schnell wie Koehler berichtet. Es sei Gewöhnungssache. Beim ersten Besuch der Baustelle muss aber jedes Kind seine Eltern mitbringen, damit diese sich ein Bild davon machen können, was ihre Kinder dort genau treiben. Die Eltern werden darüber aufgeklärt, dass sich ihre Kinder auch verletzen könnten. Sie könnten sich beispielsweise an einer Schraube etwas aufschürfen. Die Kunstbaustelle sei eben kein Spielplatz und ein ganz normales Risiko bestehe beim Handwerken immer. Koehler betont aber auch, während er über das Gelände humpelt, dass sich so richtig nur die Erwachsenen verletzen würden.

„Die Kinder bringen ganz viel Begeisterung für das Thema mit“, sagt Koehler. „Wir begegnen uns alle auf Augenhöhe und nehmen einander ernst“, erzählt er weiter. Die Baustelle funktioniert nach dem Prinzip der Freiwilligkeit. Die Kinder werden nicht gezwungen etwas zu tun, da sie aber ein hohes Interesse an dem Projekt haben, machen alle Kinder sehr schnell mit. Eine eventuelle Schüchternheit legt sich schnell und Koehler finde es schön zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln.

In Tufa-topolis kann jeder seiner Kreativität freien Lauf lassen und seine Ideen in Holz verwirklichen. Es gehe dort ums Machen, Lust haben, Fehler machen und aus Fehlern lernen. Zum Thema Fehler machen erzählt Koehler, dass er direkt erkenne, ob die Kinder schon mit Bauklötzen gespielt haben, oder Dinge zum ersten Mal in ihrem Leben zusammenbauen. So würden die Kinder aber auch beispielsweise lernen, an welchen Stellen sie Schrauben und Nägel für eine stabile Leiter setzen müssten.

Das Schaffen und Bauen mit Holz begeistert vor allem nicht nur Jungen. Auch rund ein Viertel der teilnehmenden Kinder sind Mädchen. Es sei schade, wie Koehler sagt, wenn Eltern nur ihre Söhne bei diesem Kunstprojekt anmelden, obwohl auch die Töchter gerne mit bauen wollen würden.

Marie (12) und Laura (13) beispielsweise waren schon das vierte Jahr in Folge dabei. Sie sind Nachbarinnen und haben sich, wie die beiden erzählen, auch durch dieses Projekt näher angefreundet. Beide verbindet der Spaß am Bauen. Marie kann sich sogar vorstellen, später Architektin zu werden. Helene (8) war das erste Mal bei Tufa-topolis dabei und hat sehr viel Spaß am Bauen. Zu Hause helfe sie auch ihrem Vater gerne, wenn es Dinge zu reparieren gäbe.

Shadee (8) ist ebenfalls zum ersten Mal für eine Projektwoche dabei gewesen. Sie baue mit ihrem Nachbarn Samuel (10) zu Hause ein Baumhaus. Bei Tufa-topolis stellen die beiden zusammen einen Stuhl und einen Tisch her, den sie stolz präsentieren. (Bild von Marie und Laura, wie sie ihre Hütte bauen)

Frederick (10), Johannes (10) und Malik (10) sind ebenfalls das erste Mal für eine Woche dabei gewesen. Alle vereint, dass sie auch zu Hause gerne bauen. Johannes hat schon ein Baumhaus gebaut, Malik erzählt froh, dass das Bauen sein „Lieblingshobby“ sei. Niklas (11) und Jacob (11) sind in diesem Jahr schon das vierte in Folge mit dabei. Stolz erzählen sie, dass sie schon an der Hälfte der Bauten, die heute noch stehen, beteiligt waren. Sie gehören zu zwei Dritteln der Kinder, die immer wieder teilnehmen. Denn alle Kinder sind sich einig: Sie wollen noch einmal mitmachen. Der Ehrgeiz etwas zu schaffen hat sie alle gepackt und sie stehen in den Ferien gerne für ihr Hobby früher auf. Gewerkelt wird nämlich in den Ferien jeden Tag von 9.00 bis 14.00 Uhr.

Jeden Freitag zum Ende der Projektwoche kommen die Eltern zu Besuch in die Stadt und die kleinen Erbauer werden zu Bewohnern von Tufa-topolis. Räume, die als Läden gebaut wurden, werden als solche benutzt. Das Kino wird in Betrieb genommen – die Baustelle verwandelt sich in eine richtige Stadt, die zum Leben erwacht. Die Kinder sind stolz ihren Eltern zeigen zu können, was sie geschaffen haben und in der Topolis Bar werden Getränke ausgeschenkt.

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Kosten: Wer einmal für sich ausprobieren möchte, ob das Bauen einer kleinen Stadt etwas für einen selbst ist, kann freitags zur offenen Baustelle kommen. Mitmachen kostet dann fünf Euro. Wer an einer Projektwoche teilnehmen möchte, kann dies in den Ferien nach einer Anmeldung tun. Die Beitragsgebühren liegen bei 80 Euro.

Für Eltern: Mehr Informationen findet ihr auf der Homepage von Tufa-topolis http://www.tufa-trier.de/tufatopolis.html.