„Mîn niuwes hûs“ – Wie man früher sprach

Bist Du schon einmal geritten? Viele Menschen haben das schon getan, auch schon vor vielen Jahren. Nur nannten sie es damals ein wenig anders. Das Wort „reiten“ gibt es nämlich schon sehr lange im Deutschen, aber es hat sich immer wieder gewandelt. So sagte man etwa früher, am Anfang des Mittelalters „rîtan“ dazu. Die Sprache, die damals gesprochen wurde war ein anderes Deutsch, als das, was wir heute sprechen. Wir sagen dazu „Althochdeutsch“. Es änderte sich aber noch mehr an der Sprache. Zum Beispiel wurden Sätze anders gebaut. So findet man den Satz „Gimer min ros“ in den Pariser Gesprächen, einer Schrift aus der Zeit. Das heißt „Gib‘ mir mein Pferd.“ Das letzte Wort im Satz heißt „Ross“. So sagte man früher für „Pferd“.

Genauer gesagt waren es damals mehrere Sprach-Varianten, die in Deutschland gesprochen wurden. Sie heißen „Dialekt“. Die Dialekte waren zwar so ähnlich, dass sich die Menschen miteinander unterhalten konnten. Das war aber zum Teil sehr schwer. Auch heute noch kann man ja, wenn man aus der Eifel kommt, jemanden aus Süddeutschland teilweise nur schwer verstehen.

Am Anfang war ein deutscher Kaiser, Karl der Große, für das Deutsche besonders wichtig. Er regierte vor 1200 Jahren. Er sorgte dafür, dass viele wichtige Texte, die es vorher nur auf Latein gab, ins Deutsche übersetzt wurden. Auch viele heute bekannte Worte gab es im Deutschen noch nicht. Daher mussten sie aus anderen Sprachen übernommen werden. Der „Mönch“ etwa leitet sich vom Lateinischen ab. Da hieß er allerdings „monachus“.

Info-Kasten 1: Was ein Ritter mit Büchern zu tun hat

Früher, im Mittelalter, waren viele Ritter unterwegs. Einer davon war Hartmann von Aue. Hartmann war aber nicht nur Ritter, er schrieb auch Bücher. Sie hießen etwa „Der arme Heinrich“ oder „Erec“. Hartmann war im Mittelalter sehr bekannt. Viele Forscher beschäftigen sich auch heute noch mit seinen Büchern. Durch sie können wir viel über das Mittelalter lernen.

Info-Kasten 2: Wie das heutige Deutsch entstand

Du hast vielleicht schon gehört, dass Martin Luthers Übersetzung der Bibel für das Neuhochdeutsche sehr wichtig war. Wichtig war aber auch: Das damalige Deutschland war im Mittelalter größer geworden. Damit sich die Leute untereinander besser verstehen konnten, mussten sie eine gemeinsame Sprache „erfinden“. Daran waren besonders der deutsche Kaiser Karl IV. und seine Leute beteiligt. Sie benutzten in Briefen der Regierung Wörter, die sie sich vorher gemeinsam ausgedacht hatten. Diese konnten von den Lesern überall verstanden und ebenfalls benutzt werden.

Ungefähr 80 Jahre später machte Johannes Gutenberg in Mainz eine wichtige Erfindung, nämlich das Buchdrucken. Vorher hatte man Bücher und andere Texte von Hand abschreiben müssen. Jetzt konnte man sie viel schneller drucken und verteilen.

Das alles hat dazu beigetragen, dass die Sprache so wurde, wie wir sie heute kennen.

Autor: Christoph Ewen