Ein Traum auf der Bühne

Denis Burda hat früher getanzt – heute gibt er Ballett-Unterricht

Drehen, springen, laufen: Tänzer Denis Burda hat berühmte Ballett-Stücke auf der Bühne gespielt. Er war Märchenprinz, mächtiger Gott oder römischer Gladiator. Dafür musste er viel trainieren und lernen.

Lucky: Brauche ich eine besondere Fähigkeit, um Ballett-Tanz zu lernen?

Denis Burda: Nein, Ballett kann eigentlich jeder lernen, schon als kleines Kind. Wer Profi-Tänzer werden will, muss aber spätestens mit 10 Jahren loslegen. Am Anfang lernt ihr Grundstellungen, die richtige Haltung oder den Spagat. Später kommen dann schwierige Tanzfolgen hinzu. Wer aber mal Ballett gelernt hat, kann später alles tanzen.

Lucky: Und singen?

Denis Burda: In klassischen Ballettstücken ist das nicht nötig, in Musicals und Operetten schon. Wichtig ist es, das Gehör zu schulen: Ihr hört beim Tanz schließlich einem Musikstück zu, das ist eure Sprache.

Lucky: Sie haben viele Jahre als Tänzer am Theater gearbeitet. Wie haben Sie sich auf eine Rolle vorbereitet?

Denis Burda: Als erstes informiere ich mich über die Figur, die ich darstellen soll. Ich lese dann zum Beispiel etwas über sie. Danach treffe ich den Choreografen. Er legt die Schrittfolgen des Stückes fest und entscheidet, welche Rolle die Tänzer übernehmen. Er bestimmt auch, mit welchem Gefühl ich die Figur vortrage. Danach lerne ich die Schrittfolgen auswendig, alleine zu Hause oder zusammen mit der Gruppe im Proberaum.

So eine Vorbereitung kann mehrere Monate dauern, und es ist ein ständiges Training.

Lucky: Hatten Sie schon Lampenfieber, also Bammel vor dem Auftritt?

Denis Burda: Natürlich. Aber sobald ich auf der Bühne bin, ist das alles vergessen. Meine erste Hauptrolle hatte ich mit 17 Jahren, als Prinz Siegfried im Stück „Schwanensee“. Mit 70 Musikern im Orchestergraben, vielen Mittänzerinnen und –tänzern, und 1000 Zuschauern im Theater. Du trägst die Verantwortung für den Erfolg der Vorführung. Da habe ich in den Nächten zuvor schon mal geträumt, den Beginn der Aufführung zu verpassen.

Lucky: Haben Sie eine Lieblingsrolle?

Denis Burda: Ja, die von Spartacus. Am Anfang meiner Karriere hatte ich eher einen Märchenprinz gespielt – in Stücken wie Dornröschen oder Nussknacker. Ich wollte aber auch andere Figuren darstellen.

Lucky: Was gefällt Ihnen am Tanzen?

Denis Burda: Tanzen macht mir Spaß. Ich kann auf der Bühne ein anderer Mensch sein: heute Spartacus, morgen Wotan (ein mächtiger Gott), oder ein Pirat. Ich fühle mich auf der Bühne wie in einem Traum. Und nach der Aufführung ist es, als wenn ich aus diesem Traum aufwache.

Zur Person: Denis Burda ist 38 Jahre alt und stammt aus Usbekistan in Zentralasien. Nach seiner Ausbildung zum Ballett-Tänzer trat er in mehreren Ländern auf. Seit dem Jahr 2001 tanzte er am Theater Trier. Heute leitet er eine Ballett- und Tanzschule in der Stadt Bernkastel-Kues und in Bitburg.


Extra: Wo kann ich Ballett lernen?

Auf dieser Internetseite kannst du eine Tanzschule in deiner Nähe finden: http://www.dbft.de

Extra: Zusammen auf der Bühne

Auf der Bühne flitzen die Tänzerinnen und Tänzer hin und her, trotzdem stößt keiner zusammen. Wie klappt das denn? Da sind Teamarbeit und Kommunikation wichtig, sagt Denis Burda. Auf der Bühne passen alle auf, dass sie sich beim Drehen nicht stoßen. Oder sie helfen sich zum Beispiel gegenseitig, wenn es mal mit einem Schritt nicht klappt. Auch Orientierung ist wichtig: Wo sitzen die Zuschauer, wo sind die Ecken der Bühne, wo eine Wand? Dann weiß man: An einer bestimmten Stelle im Stück drehe ich mich in eine bestimmte Ecke. Denn die Ballett-Tänzer lernen die nötigen Schrittfolgen immer und immer wieder auswendig – so oft, bis sie sie ohne zu überlegen vollführen können. Anders geht es nicht: „Auf der Bühne habe ich keine Zeit zu überlegen, ob ich nun nach links oder rechts tanzen muss“, sagt Denis Burda.

Extra: Spartacus ist ein berühmtes Ballettstück. Es handelt von der Geschichte eines römischen Gladiators, der mit vielen befreiten Sklaven für die Freiheit kämpft, am Ende aber im Kampf stirbt. Wotan ist der Name einer Figur aus dem Stück „Ring der Nibelungen“.

Extra: Klassisch oder modern?

Ballett ist ein Tanz mit sehr strikten Regeln. Die Schritte sind genau vorgegeben, die Füße beim Tanz gestreckt. Doch wer die Ballett-Figuren gelernt hat, kann sie auf der Bühne auch für den „modernen“ Tanz nutzen und ergänzen: So bezeichnet man die Weiterentwicklung des „klassischen“ Ballets. „Im modernen Tanz steht selten eine Geschichte im Vordergrund, sondern eine Wahrnehmung, Emotion, ein Gefühl, ein Geisteszustand“, sagt Experte Denis Burda. Die Tänzer und Tänzerinnen tragen auch nicht das strenge, einengende Tütü oder die Spitzenschuhe, sondern Kostüme und Kleider mit mehr Bewegungsfreiheit.